Törns & Reisen · Törnbericht

Vulkan-Runde: 14 Stunden nach Jabuka

Im Dunkeln los, im Dunkeln zurück: mit dem Charterboot von Komiža nach Jabuka, einem einsamen Vulkankegel mitten in der Adria.

Komiža→Brusnik→Sveti Andrija→Jabuka→Uvala Rukavac
Von uns gesegelt · Ende OktoberVis · Dalmatien14 Stunden
Hartmut von boot.rent
Von Hartmutboot.rent · Törnbericht
StartKomiža, Vis
ZielJabuka
Hinweg30,4 NM · 6 h 56 min
Rückwegca. 30 NM
Unterwegsrund 14 Stunden
Wind12–18 kn, Böe 25–30 kn
Schnitt hin5,3 Knoten
NachtBoje, Uvala Rukavac

Das war bisher eine der schönsten Touren, die wir gesegelt sind. Ende Oktober, Anfang November, Top-Wetter, fast die ganze Zeit unter Segeln und Meilen gefressen ohne Ende. Anstrengend war es auch. Einen Tag davon möchte ich vorab erzählen, weil er es in sich hatte: die Vulkan-Runde nach Jabuka. Die ganze Runde bekommt einen eigenen Törnbericht.

Jabuka liegt mitten in der Adria, gut 30 Seemeilen von Komiža auf Vis entfernt, und ist unbewohnt. Warum man da hin will? Keine Ahnung. Aber manche Dinge muss man einfach machen. Mit dem Charterboot an einem Tag hin und zurück, im Dunkeln los und im Dunkeln wieder an: Das ist unsere Vulkan-Runde. Sie war schön, anstrengend und an ein paar Stellen ernster, als ich vorher gedacht hätte.

Seekarte der Vulkan-Runde: von Komiža auf Vis an Brusnik und Sveti Andrija vorbei nach Jabuka, zurück nördlich von Sveti Andrija nach Uvala Rukavac Karte vergrößern
Unsere Route: 30,4 NM hin, auf dem Rückweg nördlich an Sveti Andrija vorbei. Antippen zum Vergrößern.

4 UhrAusfahrt im Dunkeln

Dienstag, 4 Uhr. Der Wecker klingelt, draußen ist es stockdunkel. Wir sind in Komiža auf Vis, und heute soll es nach Jabuka gehen, diesem einsamen Vulkankegel mitten in der Adria. Zwanzig Minuten später sind wir los.

Die Ausfahrt war ein Erlebnis für sich. Der Hafen ist hell beleuchtet, davor steht eine schwarze Wand. Das iPad war selbst im Dark Mode zu hell, also habe ich es beiseitegelegt und mich an den Leuchtfeuern orientiert, zum Beispiel an Biševo, dazu Kompass. Der Wind lag bei etwa 12 bis 18 Knoten und kam von rechts, Motor aus, nur Segel. Segeln geil.

MorgensFrühstück im Beiliegen

Gefrühstückt haben wir im Beiliegen bei Brusnik und Sveti Andrija. Dabei stellt man die Segel so gegeneinander, dass sie sich gegenseitig bremsen, und legt das Ruder dagegen. Das Boot steht dann fast still und driftet nur langsam, man hat Ruhe zum Essen. Wie das aussieht, zeigt dieses Video:

Beiliegen: das Boot steht fast still.
Volle Segel vor tiefblauem Himmel Die kleine Felseninsel Brusnik am Horizont
Volle Segel bei Raumwind, daneben Brusnik am Horizont, wo wir gefrühstückt haben.

Halber WegDie Böe

Kurz hinter Sveti Andrija kam dann die Böe, nach unserer Schätzung 25 bis 30 Knoten. Das Boot legte sich stark nach Backbord, die Welle kam von Steuerbord, und es fehlte nicht viel zum Sonnenschuss. Ich stand am Ruder, Frank warf die Schoten los. Wir mussten kein Wort sagen. Danach haben wir gerefft. Kurz darauf drehte der Wind fast auf die Nase, also Segel rein und Motor an.

Die Insel Sveti Andrija mit roten Klippen, vom Boot aus gesehen
Sveti Andrija, kurz bevor es ruppig wurde.

Ehrlich gesagtJe weiter wir rausfuhren, desto weniger gab es zu sehen. Es gab Stellen, an denen wir kein Land mehr sahen. Da wird einem klar: Hier draußen ist niemand, der dir hilft. Maschine fällt aus, irgendein technisches Problem, ein gesundheitliches Problem, und du bist auf dich allein gestellt. Das Risiko bleibt auch bei schönem Wetter, und wenn du hier Mist baust, war es das unter Umständen.

11:30Jabuka

Dann tauchte Jabuka auf. Erst nur ein kleiner grauer Kegel im Dunst, der beim Näherkommen immer größer wurde.

Jabuka voraus, Frank steht am Mast
Jabuka voraus, Frank am Mast.

Die Gesteinsfarbe ist beeindruckend. Von der Magnetit-Legende, dass hier der Kompass spinnt, haben wir nichts bemerkt. Wir sind einmal im Uhrzeigersinn um die Insel gefahren, in 30 bis 50 Metern Abstand (so genau lässt sich das schlecht schätzen). Das Video dazu gibt es auch auf meinem Kanal:

Einmal um Jabuka herum.
Die Westseite von Jabuka aus nächster Nähe
Die Westseite aus nächster Nähe.

Auf dem Plotter standen um 11:30 Uhr 30,4 Seemeilen, 6 Stunden 56 Minuten, im Schnitt 5,3 Knoten.

Jabuka aus der Nähe in rötlichen und braunen Farben Der Plotter zeigt Jabuka, dahinter steht der echte Felskegel
Jabuka aus der Nähe, und der Plotter mit Jabuka dahinter: 30,4 NM in 6 Stunden 56 Minuten.

RückwegAutopilot weg, Vögel an Bord

Blick über das Heck zurück auf Jabuka
Tschüss, Jabuka.

Der Rückweg war weniger spektakulär. Ungefähr 30 Seemeilen, weniger Wind, weniger Welle. Dann fiel plötzlich der Autopilot aus, und wir haben abwechselnd von Hand gesteuert, zwischendurch Snacks. Hin und wieder machten kleine Vögel auf dem Schiff Rast, fuhren eine Weile mit und flogen weiter. Und immer wieder sahen wir fliegende Fische, die neben dem Boot aus dem Wasser schossen und ein Stück über die Wellen segelten.

Nach 18 UhrNebel vor Rukavac

Die Sonne ging unter, der Wind schlief ein. Eigentlich wollten wir nach Stiniva, aber in der Bucht war keine Boje frei. Also weiter nach Uvala Rukavac. Es war inzwischen nach 18 Uhr und stockdunkel, und wie aus dem Nichts kam Nebel auf. Wir fuhren immer langsamer. Navigiert haben wir mit dem Plotter, einer Navi-App auf dem einen Handy und Google Maps auf dem anderen, sicher ist sicher. Auf Höhe der Bucht drehten wir und fuhren rückwärts hinein. Beide am Heck, Taschenlampen im Anschlag, starrten wir in die Schwärze. Irgendwo da mussten Bojen sein.

Irgendwann tauchte eine auf, Leine dran, geschafft. Endlich durchatmen und was essen.

Fazit

Nach rund 14 Stunden war der Tag vorbei. Mir wurde wieder bewusst, wie schnell aus Spaß Ernst werden kann.

Segeln ist toll, aber du kannst nicht einfach rechts ranfahren und aussteigen.

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