Seekrankheit auf der Yacht: Was Crew und Skipper tun können
Flau im Magen an Bord? Meine Erfahrung, was seriöse Quellen sagen und warum du sofort mit der Crew sprechen solltest.
Eigene ErfahrungStand Oktober 2026Quellen untenIch bin kein Arzt: Das hier sind meine Erfahrungen und eine Zusammenfassung seriöser Quellen.
KurzantwortSag es der Crew, sobald dir flau wird, auch beim kleinsten Gefühl. Nach meiner Erfahrung lässt sich das in den allermeisten Fällen abfangen, wenn man früh reagiert und nicht aus falschem Stolz schweigt. Der Skipper kann Kurs und Ruhe anpassen, dem Seekranken eine Aufgabe geben (zum Beispiel steuern), eine Person zum Kümmern abstellen und dafür sorgen, dass getrunken und gegessen wird. Wird es schlimmer, geht es so schnell wie möglich an Land.
Es kann jeden treffen, auch erfahrene Segler
Seekrankheit ist nichts, wofür man sich schämen muss. Sie hat nichts mit Schwäche oder mangelnder Erfahrung zu tun. Mich erwischt es nicht immer, sondern je nach Tagesform: Am ersten Segeltag ist mir manchmal flau, und dann kann ich nicht unter Deck sein. An anderen Tagen merke ich gar nichts. Mein Segelpartner Frank hat nie Probleme, oder er sagt es nicht.
Was kann der Skipper tun?
- Vor dem Ablegen ansprechen: Im Crewbriefing fragen, wer empfindlich ist, und klarmachen, dass jeder sofort Bescheid geben darf, ohne dass es peinlich ist.
- Den ersten Schlag leicht planen: schönes Wetter, wenig Welle, wenn möglich einen Tag im Hafen ankommen (Quelle YACHT).
- Den Kurs ändern: Hart am Wind gilt als belastender, ein Kurs raumschots mit höherer Fahrt wird oft angenehmer empfunden (Quelle YACHT).
- Ruhe ins Schiff bringen: Hektik vermeiden, Arbeiten unter Deck und mit gesenktem Kopf verschieben.
- Dem Seekranken eine Aufgabe geben: Selbst steuern hilft, wenn die Lage es erlaubt (der Skipper entscheidet). Wer am Ruder steht, richtet die Konzentration ganz bewusst auf die Bewegung. Nach meiner Erfahrung kann das die Seekrankheit verhindern oder bremsen: Das Gehirn merkt „ja, hier bewegt sich wirklich etwas“. YACHT empfiehlt ebenfalls, aktiv zu steuern.
- Einen Kümmerer bestimmen: Eine Person sorgt dafür, dass der Seekranke genug trinkt und etwas isst, und behält ihn im Blick. Wer seekrank ist, wird passiv und vergisst das Trinken. Zu wenig Trinken gilt als gefährlich (Quelle YACHT). Das Übergeben geht nach meiner Erfahrung auch besser, wenn etwas im Magen ist.
- Für Luft und Platz sorgen: ins Cockpit, auf die Luvseite oder dorthin, wo keine Abgase wehen. Auch die Nähe des Niedergangs hilft mir: Dort ist man etwa in Schiffsmitte, die Bewegung dreht sich eher um einen herum, das Auf und Ab ist nicht so stark. Apotheken Umschau und Ars Medici empfehlen bei Schiffen ebenfalls die Mitte.
- Sicherheit: Seekranke nicht allein lassen. Wer stark leidet, ist erschöpft und nicht mehr klar im Kopf. An Deck Schwimmweste und Lifeline, nie allein an die Reling, ein Eimer statt über Bord (Quelle YACHT).
- Wenn es schlimmer wird oder das Leiden zu groß wird: Nächsten Hafen oder eine geschützte Bucht ansteuern und den Seekranken so schnell wie möglich an Land bringen. Das geht nicht immer sofort: Bis dahin trinken und essen lassen. Wird der Zustand kritisch, Hilfe über Seefunk (Kanal 16) und Küstenwache rufen, statt zu warten. Sobald jemand festen Boden unter den Füßen hat, gibt sich die Beschwerde meist.
Für dich als Betroffenen: Nicht aus Stolz schweigen
Sag Bescheid, sobald dir „ein bisschen komisch“ wird, und am besten schon im Crewbriefing: „Ich werde manchmal seekrank.“ Das nimmt den Druck raus. YACHT rät, früh gegenzusteuern und Warnzeichen wie Müdigkeit, Passivität und kalten Schweiß zu erkennen.
Meine Erfahrung: Hirtshals, Skagerrak, Gelbes Riff
Am schlimmsten war es im August 2014 beim Hochseeangeln vor Hirtshals (Dänemark), am Gelben Riff im Skagerrak, bei etwa drei Metern Welle. Mich hat es richtig hart erwischt. Zwei Dinge haben mich besonders getroffen: der Dieselabgasgeruch des Schiffes (der Wind kam von hinten und wehte ihn ständig herüber) und das Nach-unten-Schauen, wenn man an der Angelausrüstung bastelte. Komisch war: Nach dem Übergeben ging es für etwa eine Stunde wieder, dann kam es zurück. Das ist meine Beobachtung, keine Regel.
Sportboot ist nicht Segelboot
Wer auf einem Sportboot oder Motorboot seekrank geworden ist, muss es auf einem Segelboot nicht werden. Die Physik ist eine andere, und das Wackeln fühlt sich anders an: Ein Segelboot liegt durch Kiel und Winddruck in den Segeln anders im Wasser als ein Motorboot, das über die Wellen schlägt oder im Seegang rollt. Das ist meine Erfahrung, keine Garantie: Umgekehrt kann es einen auch auf dem Segelboot erwischen. Mich selbst hat es am schlimmsten auf dem Angelboot erwischt, nicht beim Segeln. Lasst euch von einer schlechten Erfahrung auf einem anderen Boot also nicht vom Törn abhalten, sagt es aber der Crew.
Warum wird einem übel?
Das Gleichgewichtsorgan meldet Bewegung, während Augen und Körper etwas anderes melden. Das Gehirn bekommt widersprüchliche Signale und löst Übelkeit aus (Quelle: Apotheken Umschau).
Medikamente und Hausmittel (was Quellen sagen)
| Mittel | Einschätzung |
|---|---|
| Dimenhydrinat (rezeptfrei, Tablette oder Kaugummi) | wirkt, kann müde machen, vorher Beipackzettel lesen |
| Scopolamin-Pflaster | verschreibungspflichtig, Stunden vorher kleben |
| Ingwerpräparate | in einer Studie mit Seeleuten vorbeugend, Ingwertee nicht |
| Akupressurbänder, Vitamin B6 | kein nachgewiesener Nutzen |
Medikamente vorher mit Arzt oder Apotheke besprechen und an Land testen. Nicht mit leerem Magen losfahren, leichte Kost in kleinen Portionen, kein Restalkohol, nicht zu viel Kaffee.
Häufige Fragen
Muss ich mich übergeben? Nein, nicht jeder.
Kann ich Medikamente nehmen? Frag vorher Arzt oder Apotheke, auch wegen Nebenwirkungen wie Müdigkeit.
Zum Schmunzeln: unser Short dazu
Ein bisschen Galgenhumor gehört dazu, wenn man es erlebt hat. Der Short ist als Witz gemeint und kein Ratschlag. Ernst gemeint ist alles oben.
Quellen: Apotheken Umschau (Reiseübelkeit), YACHT (Die besten Strategien gegen Seekrankheit), Ars Medici (Kinetosen: Was hilft gegen Seekrankheit, PDF), Wandern und mehr (Was essen bei Reisekrankheit?).
Sag es der Crew, sobald dir flau wird. Früh reagieren ist besser, als aus Stolz zu schweigen.
Wie viele Kabinen und welche Crew passen zu deinem Törn? Was wir dazu denken, steht im Ratgeber Wie viel Platz ist auf einem Boot?

